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Irland - Süden und Südwesten
8.7.-17.7.2004 / 10 Tage / 702 km

Bei sog. irischem Wetter strample ich von Rosslare aus an der Südküste nach Westen. Schloss Lismore ist leider nicht zugänglich und in Privatbesitz des englischen Duke of Devonshire. Aber der Park, der Garten und das umgebende Dorf am malerischen Blackwater River sind sehenswert. Cork rüstet sich für seine Rolle als Europäische Kulturhauptstadt im nächsten Jahr und ist deshalb im Zentrum eine einzige Großbaustelle. Der lebhaften Kulturszene tut das keinen Abbruch. Kinsale ist ein hübsches Städtchen, aufwendig renoviert und Nahziel für die Großstädter aus Cork. Stundenlang lasse ich mich von einem Puppenspieler unterhalten.

Und in Cork unterläuft mir genau der Fehler, den ich befürchtet hatte. Ich vergesse links zu fahren und Bremsen quietschen. Glück gehabt! Nicht umsonst stehen an vielen Ausfallstraßen, an Hotelausfahrten usw. große Hinweistafeln "Links fahren", häufig nur in Deutsch und Französisch.

Iren sind sehr offen, kommunikativ und freundlich. Als Radfahrer werde ich von jedem Fußgänger und jedem Bauern bei seiner Feldarbeit gegrüßt; häufig wird mir aus Autos und sogar aus Wohnungsfenstern zugewinkt. Eines dieser typisch irischen Originale erzählt mir stolz und quasi als Geheimtipp für mich, hier in diesem Shop könne man eine Flasche Wein um 7 Euro bekommen und er radle deshalb alle paar Tage 8 Meilen hierher. Vielleicht hat er in seinem früheren Leben, als er noch ein paar Zähne hatte, gewusst, wo Deutschland und München liegen. Jetzt ist das alles für ihn sehr weit weg.

Mit der einzigen Seilbahn Irlands fahre ich auf die Insel Dursey. Hier leben ungefähr 10 Einwohner, die auf mehrere "Dörfer" verstreut sind. In einer Bucht beobachte ich Tümmler. Tief unten am Wasser liegen eine Kirchenruine und ein alter Friedhof; von einer kleinen Festung aus dem 16. Jh. gibt es keine Reste mehr. Es nieselt und mit der letzten Seilbahn komme ich zurück aufs Festland.

In Sneem, einem irischen Bilderbuchdorf am Ring of Kerry, sitze ich einen Regentag aus. Bei Castlecove klettere ich mit dem Rad bis zum gut erhaltenen Staigue Fort hoch; man weiß nicht so genau, wer hier wann residiert hat. Gallarus Oratory ist ein Bethaus aus dem 8. Jahrhundert und eines der beeindruckendsten Monumente auf Dingle; die Entstehungsgeschichte ist ungeklärt.

Oben auf dem Coomakesta Pass habe ich einen herrlichen Rundblick bis hin zu den Skelligs. Für die vielen Touristen, die hier oben per Bus anlanden, musiziert ein Handharmonikaspieler nicht nur Irisches. Man ist schließlich kundenorientiert. Aber er kann das nicht so richtig zuordnen und spielt für einen Bus Spanier "Nordseewellen".

 

Des Essens wegen reist wohl niemand nach Irland. Aber nach einigen Tagen im Land zucke ich schon bei der Frage "Full Irish?" zusammen. Ich halte mich nur noch an Cereals, die man fast immer bekommt. Ich muss eben aufpassen, dass niemand die Müslischale vor dem fünften Nachfassen abräumt.

Ballinskelligs liegt in einer der wenigen gälischen Sprachinseln. Man kann hier gälische Sprachkurse besuchen, Wegweiser sind nur in Gälisch usw.  Obwohl das Land nur 1 % gälische Muttersprachler hat, wird vom Staat eisern die Fiktion eines zweisprachigen Landes aufrecht erhalten. Jeder lernt Gälisch in der Schule, Staatsbedienstete und Studenten müssen Gälisch-Kenntnisse nachweisen, amtliche Veröffentlichungen sind in Gälisch usw. Aber es gibt nicht einmal eine gälische Tageszeitung. Wer soll die schon lesen?

Um den Frühstückstisch in Portmagee sitzt eine bunte Gesellschaft, 6 Personen aus 4 Ländern (Irland, Deutschland, Ukraine, Japan). Cathleen, die Hausfrau, genießt es förmlich, mit den drei deutschen Kindern im Nebenraum ein bisschen Oma spielen zu können: „Das ist gerade so wie früher mit meinen eigenen Kindern. War das schön.“ Als ihr Mann mit dem Sohn von einem Spaziergang zurückkommt, stellt sie uns strahlend und herzlich ihren Sohn vor: „Das ist Mein Sohn Bobby. Er ist schwer gehirngeschädigt.“ Ich finde die Frau großartig. Sie hat noch drei andere Kinder.

Und wir alle wollen heute auf die Skelligs. Da ich nicht vorgebucht hatte, werde ich quasi als Überlast mitgenommen. Die Überfahrt ist nichts für schwache Mägen und passiert Little Skellig, die größte Basstölpelkolonie der Welt. Auf Skellig Michael, einem Felsbrocken von gerade mal gut 1 qkm und über 200 m hoch haben bis ins 12. Jahrhundert Mönche in den unnachahmlichen Beehive Cottages gelebt. Heute ist die Insel von den herrlichen Papageientauchern in Beschlag genommen. Sie lassen sich durch Menschen kaum stören.

Im Kerry Bog Village wird das Leben und die mühsame Arbeit der Torfbauern gezeigt. Auch heute noch wird viel mit Torf geheizt und die EU mahnt u. a. deshalb bessere Umweltstandards an.

Die Wegweisung in Irland ist teilweise höchst fragwürdig. In einzelnen Fällen zeigt ein Wegweiser schon mal in die entgegen gesetzte Richtung. Und die Unterscheidung zwischen Meilen- und Kilometer-Entfernungen ist nur theoretisch klar (Irland stellt momentan auf metrische Maße um!). Der Verkehrsminister verlangt gerade vergeblich mehr Haushaltsmittel. Es wird also noch so bleiben. Auch ich fahre einmal unfreiwillig 30 km im Kreis.

 

 

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