Zurück Home Nach oben Weiter

horizontal rule

England und Benelux
5.8.-9.9.2004 / 36 Tage / 2.665 km

Die Irische See liegt in dichtem Nebel, die Fähre tutet sich ihren Weg nach Holyhead und ich döse vor mich hin. Über die vorgelagerte Insel Anglesey komme ich bald aufs "Festland" nach Wales mit seiner eigenen Sprache, hübschen Städtchen (Bangor, Betws-y-Coed, Llangollen), romantischen Tälern (Dee, Ogwen) und rauen Bergen (Snowdon). Bei Llangollen werde ich wieder einmal, wie auf der britischen Insel zigmal täglich, in einer unübersichtlichen Kurve "großzügig" überholt. Ein entgegenkommendes Auto wird an eine Mauer abgedrängt und schleudert an mir vorbei. Der Unfallverursacher fährt unbeeindruckt weiter. Zum Glück wird niemand verletzt. Britische Folklore: Meine irischen Geldscheine (Pfund Sterling!) werden an jeder Kasse erst einmal misstrauisch zurückgewiesen und nach einer erklärenden Diskussion letztlich immer angenommen.

Die Ruine der früheren und die neu aufgebaute Kathedrale in Coventry erinnern an Geschichte. Der Grand Union Canal schlängelt sich romantisch durch das sonst eher eintönige Mittelengland. Auch dieser Kanal hatte früher größte wirtschaftliche Bedeutung und ist heute nur noch Revier für Freizeitkapitäne. Cambridge erlebe ich im Regen. Über Colchester (älteste britische Stadt) komme ich bald nach Harwich (nur noch als Fährhafen von Bedeutung) und schiffe mich nach Holland ein.

Vor gut 20 Jahren war ich ein paar Mal in Scheveningen und empfinde einen starken Wandel. Das berühmte Hotel Kurhaus rottete damals vor sich hin, dominierte aber die Strandpromenade. Jetzt ist das Haus zwar renoviert, wird aber optisch von den umgebenden, neuen Hotelpalästen erdrückt und hat dadurch seine Einzigartigkeit verloren.

Ich bummle ziellos durch Amsterdam, genieße das Flair, beobachte Straßenkünstler, schnuppere den bekannten süßen Duft. Zur Feier meines 100. Reisetags höre ich im Concert-Gebouw Jazz von einer afro-karibischen Big Band. Durch die schönen Dünen radle ich nach Norden bis zum Iisselmeer und dann südwärts bis Aachen durch hübsche, alte Städte, z. B. die Hansestädte Deventer und Zutphen. Ich habe in Holland viel Regen.

Im Dreiländereck passiere ich den mit 321 m höchsten Berg Hollands und rolle dann nach Westen. Tongeren ist die älteste Stadt Belgiens und wird in der Römerzeit gleichbedeutend mit Köln und Trier genannt. Ambiorix, der belgische Nationalheld, hat sich hier (sooo genau weiß man das nicht) erfolglos gegen die Römer aufgelehnt.

 

Mechelen, Antwerpen, Gent, Brügge usw. sind prächtige, alte Städte. Sie verdanken ihren gewaltigen Reichtum im Mittelalter dem Tuchhandel. Als der große Sohn der Gegend wird Karl V. betrachtet, in Gent geboren und gekrönt, in Mechelen aufgewachsen. Das Diamantenmuseum in Antwerpen ist schrecklich überlaufen. Diese kleinen Steinchen üben eben eine besondere Faszination auf die Menschen aus. Ich bin vom Museum etwas enttäuscht, weil die Verarbeitung als eine Ansammlung von Werkzeugen und nicht als Prozess gezeigt wird. In Gent wohne ich in einem ehemaligen Nonnenkloster, schreckliche Neugotik. "Inge & Tina" feiern hier gerade ihre Hochzeit. Auf einer Bootstour durch die Grachten, entlang der alten Zunfthäuser und mit Einblicken in Hinterhöfe, verfallene Textilfabriken usw. erlebe ich die Stadt intensiv.

Flandern ist übersäht mit Soldatenfriedhöfen aller Kriegsparteien aus dem 1. Weltkrieg. Im riesigen Mahnmal des Commonwealth in Ypern sind die Wände bedeckt mit den Namen tausender Gefallener aus England, Kanada, Irland, Australien, Indien. Auch nach 90 Jahren erschütternd!

Tournai ist uralt und schon im 5. Jh. Merowinger-Residenz. Jetzt ist Tournai gemeinsam mit dem französischen Lille Europäische Kulturhauptstadt 2004. Die Stadt wird dominiert von der mächtigen 5-türmigen Kathedrale.

Über Namur und die Ardennen komme ich nach Luxemburg. Es wird gerade der 60. Jahrestag der Befreiung begangen. Die Hotels sind gefüllt mit meist amerikanischen Besuchergruppen. Das Plateau Kirchberg mit den modernen Bauten der EU-Behörden und der Finanzindustrie interessiert mich mehr als der historische Stadtkern. Die Konversion vom Montan- zum modernen Dienstleistungsstaat ist beeindruckend.

 

 

 

horizontal rule

Zurück Home Nach oben Weiter