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Von Oslo an die Fjords
8.6-4.7.2003 / 27 Tage / 1.471 km

Die norwegische Südküste ist recht schwer zu fahren. Aber die überwältigend schöne Landschaft (Langesund, Jössingfjord, Sogndal) und die hübschen Städtchen (Kragerö, die weiße Stadt Risör, Schachbrettstadt Kristiansand, Museumsdorf Sogndalstrand) lassen die Mühen vergessen.  Von der Ölstadt Stavanger aus besteige ich den imposanten Preikestolen, der 600 m senkrecht in den Lysefjord abfällt. Ich frage dummerweise nach Unfällen am Preikestolen ausgerechnet eine junge Frau, deren Freund vor einigen Jahren hier in den Tod gesprungen ist. Mit dem Boot fahre ich nach Bergen, besichtige die alte Hansestadt und besuche abends ein hervorragendes Grieg-Konzert. Natürlich gehört Solveigs Lied zum Repertoire.

In Lavik am Sognefjord miete ich für 8 Tage eine Hütte mit Boot, Angel usw., aber die Fische mögen mich nicht (ich gebe ihnen nur eine halbe Stunde Gelegenheit). Ich ruhe mich aus und mache per Rad kleine Tagesausflüge ohne mein schweres Gepäck. Mittsommer wird anders als in Finnland kaum gefeiert und allenfalls zu Familienausflügen genutzt.

Von Florö aus fahre ich mit einem der berühmten Postschiffe der Hurtiglinie bis Alesund. Das Schiff gleitet lautlos in der blau-silbrigen Halbdämmerung durch kleine Fjords, passiert mächtige Gebirgsstöcke und winzige Inselchen. Ich bedaure jeden, der diese Nacht schlafend in seiner Kabine verbringt. Diese Nachtfahrt bleibt mein eindrücklichstes Erlebnis der ganzen Reise.

Alesund ist 1904 total abgebrannt und wurde dank des eigenen Reichtums (Fischindustrie) und internationaler Hilfe (insbes. vom deutschen Kaiser Wilhelm II.) sehr schnell wieder aufgebaut. Heute ist die herrliche und hervorragend erhaltene Jugendstilstadt als Weltkulturerbe in die UNESCO-Liste eingetragen und als solches ein Muss-Hafen für Kreuzfahrtschiffe. Hier (wie im übrigen auch in Bergen, Stavanger, später in Trondheim, Brönnöysund, Narvik, Stockholm usw.) amüsiere ich mich immer wieder über diese Touristen bei ihren Landgängen. Wahrscheinlich ergeht es ihnen in Bezug auf mich genau so.

 

 

Über den berühmten Atlanterhavsveien komme ich dann nach Trondheim, der historischen Hauptstadt des Landes. Der neo-gothische Nidaros-Dom und insbesondere der überbordende Tourismus-Betrieb im Dom begeistern mich nicht sonderlich.

Die dünne touristische Infrastruktur außerhalb der wenigen Städte ist immer wieder ein  Problem. In einem Hotel kann ich zwar schlafen, bekomme aber wegen einer Veranstaltung kein Essen (es gibt hier aber auch keinen Laden und keinen Kiosk). Auf den Campingplätzen gibt es häufig keinen Kiosk und kein Restaurant, manchmal keine Decken und/oder keine praktikable Kochmöglichkeit und/oder keine sinnvolle Möglichkeit für Wäsche. Und Alternativen sind meist nicht erreichbar und haben ähnliche Defizite. Ich verpflege mich inzwischen weitgehend selbst und starte nie ohne eine warme Mahlzeit (Nudeln, Suppe, Tee u. ä.) und eine kalte (Knäckebrot, Schafwurst, Käse) dabei zu haben für den häufigen Fall keiner Kochmöglichkeit. An Fiskepudding, in jedem Dorfladen in mehreren Ausführungen zu bekommen, versuche ich mich nur einmal. Soweit man sich nicht selbst versorgen kann, ist man weitgehend auf Fastfood angewiesen (Burger, Pizza, Döner).

 

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