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Durch Lappland nach Finnland
19.7.-9.8.2003 / 22 Tage / 1.851 km

Mit der Südwende ab Narvik ändert sich auch meine innere Einstellung. Obwohl ich noch mindestens 2 Monate unterwegs sein will, empfinde ich den Weg jetzt teilweise als Heimreise. Eine Heimreise muss man eben hinter sich bringen, auch wenn sie schön ist.

Von Narvik geht es bis zur schwedischen Grenze ständig aufwärts bis zum Björnfjell, einer herrlich schönen Gegend mit einem ganz eigenartig rauhen Charme. Auf der beinahe parallel laufenden Bahnstrecke rollen endlos lange, mit Erz beladene Güterzüge von Kiruna zum Hafen in Narvik. Obwohl der Pass nur etwa 400 m hoch liegt, breiten sich rechts und links der Straße teilweise Schneefelder. Mit der Grenze und der Passhöhe ändern sich abrupt das Klima und die Vegetation: Kein Schnee, kaum Felsen, viel Grün.

In der Abisko-Fjällstation ist ein reges Kommen und Gehen und ich kann nur mit Glück noch unterkommen. Hier starten Wanderer mit riesigen Rucksäcken zu mehrwöchigen Touren auf den Kungsleden, sie wollen den Kebnekaise besteigen oder sie kommen vom Nordkalottleden. Das Torneo-Tal weitet sich immer mehr und der Fluss fließt nur noch träge dahin.

Kurz vor Kiruna habe ich meine erste Reifenpanne. Die Straße hat keinen Randstreifen und die LKW's fahren um Zentimeter an meinem Hinterteil vorbei. Ein Gewitter ist im Anzug, die Moskitos stechen wie verrückt und Blut rinnt. Mit meinen verschmierten Händen kann ich mich nicht einmal wehren. Wenn möglich, hätte ich hier die Reise sofort abgebrochen. Aber zum Glück kann ich hier nicht so einfach das Handtuch werfen. Eine Stunde später ist alles vergessen.

Bei Kalajoki an der finnischen Westküste habe ich meine eindrücklichste Begegnung. Ich radle lang mit einem Deutschen und seinem 13-jährigen Sohn. Er ist knapp 40 Jahre alt, seit 10 Jahren verwitwet, war Techniker, dann Pförtner und jetzt seit einigen Jahren erwerbsunfähig wegen schwerer Arthrose. Auf  seinen langen Radreisen kann er die tägliche Morphin-Dosis sogar etwas reduzieren.

 

In Vimpeli, der finnischen Pesäpallo-Hochburg (= finnische Baseball-Variante), frage ich einen Passanten nach dem Weg zu einem Motel. "Da geht man nicht hin." Auch andere wissen keine Alternative zu diesem Haus und in unzähligen Telefonaten kommen wir auch nicht weiter. Auf meine Nachfragen höre ich nur immer wieder "Da geht man hin hin" und "Dorthin telefoniere ich nicht". Ich komme schließlich in einer herrlichen Skihütte hoch über dem Lappajärvi unter und bleibe, weil es hier so schön ist, sogar einen zweiten Tag. Ich weiß bis heute noch nicht, ob in dem bewussten Motel meine Tugend, mein Geld oder meine Gesundheit gefährdet gewesen wären.

Ich besichtige die Holzkirche von Petäjävesi. Sie ist Mitte des 18. Jahrhunderts aus unbemaltem Holz gebaut, teils mit naiver Malerei geschmückt. Von diesem Gebäude geht ein ganz eigentümlicher Reiz der Ursprünglichkeit und Schlichtheit aus. Das unbemalte Holz und die schlichte Bauart beeindrucken mich am meisten. Seit einigen Jahren steht die Kirche als Weltkulturerbe auf der UNESCO-Liste. In Jyväskylä besuche ich wieder einmal das Keski-Suomen Museo und das Alvar-Aalto-Museum.

Bald bin ich dann in unserer Hütte in Hevossaari, wo mein Sohn Timo gerade urlaubt. Endlich kann ich wieder einmal richtig saunen. Ich störe die junge Familie nicht lang, besuche am nächsten Tag noch meinen Schwager, den ich schon auf den Lofoten getroffen habe und nehme dann den Zug nach Turku.

 

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